Stolpersteine in Lüneburg



Der Künstler Gunter Demnig erinnert seit 1995 an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort, Arbeitsplatz oder Lernort mit einer Messingplatte versehene Gedenksteine in den Bürgersteig verlegt. Die Inschrift gibt Auskunft über Name, Geburtsjahr und das weitere Schicksal der Opfer des Naziregimes. Inzwischen liegen rund 55.000 STOLPERSTEINE in Deutschland und in 19 weiteren europäischen Ländern (Stand 2015).

Auf Initiative von engagierten Bürgern wurden auch in Lüneburg Stolpersteine in den Gehweg verlegt. Die 47 Gedenksteine erinnern an Lüneburger Opfer des NS-Regimes und „geben ihnen einen Namen“.


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Obere Schrangenstraße 13

Hier wohnte die jüdische Witwe Else Horwitz, geb. Cohnheim (*1876) mit ihren fünf Kindern. Sie wurde am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet. Ihr Sohn Walter (*1909) wurde von Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet. Alice überlebte in Lüneburg (sie hatte einen Nichtjuden geheiratet). Erna und Luci überlebten in der Emigration. Über Helmut liegen keine Informationen vor.

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Große Bäckerstraße 23

Die jüdischen Eheleute Hulda Schickler, geb. Levie (*1869) und Adolf Schicker (*1867) führten ein Fachgeschäft für Schuhe, Knaben- und Herrenbekleidung in der Bardowicker Straße 4 und wohnten auch dort. Nach Geschäftsübergabe (1928) zogen sie in die Schillerstraße 42. 1935 Umzug in die Große Bäckerstraße. Die vier Kinder emigrierten nach Amerika, das Geschäft wurde „verkauft“. Am 5.5.1943 wurden die Eheleute über Hamburg nach Theresienstadt deportiert. Herr Schickler starb auf dem Transport, Frau Schickler überlebte dort nur ein Jahr.

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Am Ochsenmarkt 3

Dr. Hermann Reinmuth (*1902) Sozialdemokrat, aus christlichen Motiven geprägter antifaschistischer Widerstandskämpfer, arbeitete als Jurist im Regierungspräsidium Lüneburg, Am Ochsenmarkt 3. Er organisierte mit politischen Freunden Unterstützung für verfolgte Familien und geriet so in Opposition zu den Nazis. Er verweigerte den Eid auf Hitler. Sein „Gestapo-Schicksal“ begann: Verhaftung 1934, Verurteilung zu 7 Jahren Zuchthaus, „Schutzhäftling“ im KZ Sachsenhausen ab Februar 1942 und dort am 26.4.1942 ermordet.

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Bardowicker Straße 4

Hier wohnte und arbeitete zwischen 1937 und 1939 das jüdische Hausmädchen Marie Klijnkramer, geb. Feingersch (*1911). Sie flüchtete 1939 über Hannover in die Niederlande. Dort heiratete sie. 1944 wurde sie verhaftet und zunächst in Westerbrok interniert. Kurz darauf erfolgte die Deportation in das Konzentrationslager Auschwitz. Dort wurde sie ermordet.

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Bardowicker Straße 12

Hier wohnten die jüdischen Eheleute Behr-Baden. Sie waren Inhaber des damals bekannten Salamander-Schuhfachgeschäfts Behr in der Bardowicker Straße. Sally Baden (*1885) und Lucie Behr-Baden (*1887) wurden am 4.12.1941 über Hamburg nach Riga deportiert und dort ermordet. Die Kinder Arnold und Elisabeth emigrierten 1934/35 nach Palästina, Ruth 1938 nach Australien.

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Rotehahnstraße 20

Anna Friebe (*1896) lebte hier, bis sie als Patientin der „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ als „unwertes Leben“ zu einer der sechs „T4-Anstalten" deportiert und dort umgebracht wurde. Über 480 weitere Patienten der NS-Psychiatrie wurden über die „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ zu einer der sechs „T4-Anstalten“ überführt. Patienten aus Niedersachsen kamen überwiegend in die Tötungsstätte Hadamar.

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Auf dem Kauf 13

Hier wohnte das jüdische Ehepaar, Hermann und Betha Horwitz mit ihren Kindern. Paula Horwitz (*1892) zog 1923 nach Frankfurt/Main. Am 11/12.11.1941 wurde sie nach Minsk deportiert und ermordet. Selma Horwitz (*1897) flüchtete in die USA. Albert Horwitz (*1890) heiratete eine Nichtjüdin. Er überlebte in Lüneburg. Bekannte und Nachbarn halfen der Familie unter Lebensgefahr. Sie boten ihnen Schutzräume bei Fliegeralarm und gaben ihnen Lebensmittel.

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Schifferwall 3

Zwei Stolpersteine erinnern an die Kinder des jüdischen Kaufmanns Samuel Marcus und dessen Ehefrau Rosa Marcus, geb. Rosenbaum (gest. 1937). Thekla Marcus (*1887) zog 1941 unfreiwillig nach Hamburg und wurde am 4.12.1942 auf Anordnung der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) nach Riga deportiert und ermordet. Max Marcus (*1881) wechselte 1906 nach Berlin und wurde am 1.3.1943 auf Anordnung der Gestapo in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.

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Schießgrabenstraße 3

Drei Gedenksteine erinnern an die jüdische Familie Wolfsberg. Der Tierarzt Dr. Wolfsberg starb 1934, seine Frau Grethe (*1877) floh mit den Söhnen Günther (*1906) und Erich (*1911) nach Holland. Sie wurden dort nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die Töchter konnten emigrieren. Elfriede nach Argentinien, Henriette nach Palästina.

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Marcus-Heinemann-Straße 26

Hier arbeitete und wohnte der Schuster Hermann Niemann (*1882). Der Sozialdemokrat wurde 1935 beim Verteilen illegaler Flugblätter verhaftet und ins Gerichtsgefängnis Lüneburg gebracht. Verlegung 1935 nach Berlin. Verurteilung zu zwei Jahren Zuchthaus in Celle. Nach seiner Entlassung Verhaftung auf dem Lüneburger Bahnhof. Am 7.9.1939 als „Schutzhäftling“ ins KZ Sachsenhausen gebracht und dort ermordet. Todesdatum: 3.3.1940

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Bei der St. Johanniskirche 21

(vor dem Schulhof der Johannes-Rabeler-Schule, neben der St. Johanniskirche)

Der Sinto Alois Reiminius (*1930 in Lichtenau) wohnte mit seiner Familie ab Januar 1938 in Lüneburg. Von 1940 bis 1942 besuchte er die damalige „Hilfsschule“, die jetzige Johannes-Rabeler-Schule. 1943 wurde er mit seiner Familie von Lüneburg über Hamburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Todesdatum: 27.8.1943.

Die Sintiza Franziska Reiminius (*1931 in Oschershausen). Sie besuchte die Katholische Volksschule Wallstraße 1 und von 1939 bis März 1943 die „Hilfsschule“. 1943 wurde sie mit ihrem Bruder Alois und der Familie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Todesdatum: am 3.1.1944.

Der Sinto Reinhold Rose (*1929 in Blickstadt) wohnte ab 1934 in Lüneburg. 1938/39 besuchte er die Heiligengeistschule (Volksschule I) und von 1940/41 bis März 1943 die „Hilfsschule“. 1943 wurde er mit seiner Familie von Lüneburg über Hamburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Kinder wohnten mit ihren Familien auf dem „Wagenhalteplatz Mehlbachstrift“ und ab
 Januar 1942 in der Barackensiedlung Bardowicker Wasserweg 4.

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Am Sande 15

Dies ist die letzten privaten Adressen von Theodor Jenckel (*1873). Er wurde wie über 480 andere Patienten über die „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ zu einer der sechs „T4-Anstalten“ deportiert und dort umgebracht. Viele Patienten aus Niedersachsen kamen überwiegend in die Tötungsstätte Hadamar.

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Am Sande 4, Ecke Rote Straße

Siegmund Less (*1892 in Thorn, polnisch Torun), Der jüdische Kaufmann führte mit seiner Frau Paula Less ein Schuhgeschäft. Unfreiwilliger Umzug 1932 nach Berlin. Sigmund Less wurde am 2.3.1943 von Berlin in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Paula Less, geb. Goetz (*1893 in Inowrazlaw/Polen, Hohensalza/Posen) wurde am 3.3.1943 in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und dort ermordet.

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Haagestraße 2

Hier wohnte die Jüdin Ruth Jacobsohn (*1900) verheiratete Weinberger. Sie wurde 1943 mit ihren Kindern Michael Weinberger (*1931) und Elisabeth (Maria) Weinberger (*1936) von Würzburg nach Auschwitz deportiert und dort am selben Tag ermordet. Die älteste Tochter Hannah wurde 1938 oder 39 als 11-Jährige mit einem „Kindertransport" nach England geschickt und überlebte dadurch den Holocaust wie 10.000 andere jüdische Kinder.

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Wilschenbrucher Weg 20

Hier wohnte die jüdische Familie Dublon. Henny Dublon (*1893 in Lüneburg), unfreiwilliger Umzug nach Hamburg nach dem Tod der Mutter 1939. Am 19.7.1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert und im Januar 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz überführt. Dort wurde sie ermordet. Daniel Dublon (*1895 in Lüneburg), unfreiwilliger Umzug nach Hamburg 1934. Daniel wurde am 19.7.1942 mit seiner Frau, seiner Tochter und seiner Schwester nach Theresienstadt deportiert. Er überlebte als einziges Familienmitglied das Konzentrationslager. Hilde Dublon (*1924 in Lüneburg), unfreiwilliger Umzug nach Hamburg. Hilde wurde am 19.7.1942 mit ihren Eltern Daniel und Gretchen sowie ihrer Tante Henny von Hamburg nach Theresienstadt deportiert. Am 15.5.1943 wurde sie in Theresienstadt ermordet.

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Vor der Sülze - Ecke Salzbrückerstraße (ehem. Vor der Sülze 1)

Die jüdische Familie Kapp flüchtete 1933 nach Frankreich (Straßburg). Ab 1934 lebte sie in Toulouse. Ehemann Heinrich Kapp (*1898 in Hechtsheim) wurde nach mehrmaligen Verhaftungen, 1939/1942, in das Lager Recebedou (bei Toulouse) interniert und später in das Lager Drancy überstellt. Vermutlich wurde er nach Deutschland deportiert und in einem Konzentrationslager ermordet. Ehefrau Sophie Kapp, geb. Lengel (*1899 in Dombrata) wurde 1942 mit ihren Kindern ebenfalls in Recebedou interniert. Nach ihrer Entlassung versteckten sich Mutter und Kinder in Frankreich. Nur einige Monate vor der Befreiung vom Faschismus wurde sie verhaftet und in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Dort starb sie. Die Kinder Hanna Josephine (*1926) und Manfred Siegbert (*1928) überlebten in Frankreich mit Unterstützung jüdischer und nichtjüdischer Freunde und konnten später in die USA übersiedeln.

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Salzbrückerstraße (ehemals 64), Ecke Auf der Rübekuhle

Hier lebte die jüdische Familie Lengel seit 1919. Hirsch Lengel (*1873 in Dabrowa/Polen), 1938 Schutzhaft im Konzentrationslager Sachsenhausen. Hirsch Lengel wurde am 19.7.1942 mit seiner Frau Berta Lengel, geb. Lirt (*1872 in Dabrowa/Polen) von Hamburg nach Theresienstadt deportiert und zwei Monate später in das Vernichtungslager Treblika überführt. Dort wurden sie ermordet. Sonja Lengel (*1903 in Dabrowa/Polen) wurde 1941 von Hamburg nach Riga / Jungfernhof deportiert. 1943 wurde sie in das Konzentrationslager Stutthoff überführt und dort ermordet. Jakob Lengel (*1907 in Lüneburg) wurde 1937 verhaftet und zwei Jahre im Konzentrationslager Buchenwald interniert. Am 5.6.1939 gelingt ihm die Flucht über England in die USA. Toni Hesse, geb. Lengel (*1904 in Lüneburg) war mit Max Hesse verheiratet und wohnte bei den Eltern Hirsch und Berta Lengel, 1940 unfreiwilliger Umzug nach Köln, 1941 zog sie zurück nach Lüneburg. Toni wurde am 6.12.1941 von Hamburg nach nach Riga / Jungfernhof deportiert und im Konzentrationslager Stutthof ermordet. Max Hesse (*1898 in Leer) war mit Toni verheiratet und wohnte bei den Schwiegereltern Hirsch und Berta Lengel, 1939 unfreiwilliger Umzug nach Köln. Max wurde am 30.10.1941 von Köln nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert und dort ermordet.

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Am Wienebütteler Weg 1

Vor dem ehemaligen Wasserturm der damaligen „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“, der heutigen "Euthanasie"- Gedenkstätte Lüneburg e.V. auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, erinnern drei Stolpersteine an die Kinder Bernhard Filusch (*1941), Edeltraud Wölki (*1937) und Charlotte Regenthal (*1939). Es sind drei Namen von den über 300 Kindern, die während der NS-Zeit in der “Kinderfachabteilung” Lüneburg der Euthanasie zum Opfer fielen.


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