Stolpersteine in Lüneburg



Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort, Arbeitsplatz oder Lernort mit einer Messingplatte versehene Gedenksteine in den Bürgersteig verlegt. Die Inschrift gibt Auskunft über Name, Geburtsjahr und das weitere Schicksal der Opfer des Naziregimes. Inzwischen liegen über 24.000 STOLPERSTEINE in Deutschland und dem benachbarten Ausland.

Auf Initiative von Lüneburger Bürgern wurden auch in Lüneburg Stolpersteine in den Gehweg verlegt. Die über zwanzig Gedenksteine erinnern an Lüneburger Opfer des NS-Regimes und „geben ihnen einen Namen“.





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Obere Schrangenstraße 13

Hier wohnte die Witwe Else Horwitz, geb. Cohnheim, geb. 1876, mit ihren fünf Kindern. Sie wurde am 19.7.1942 nach Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet. Ihr Sohn Walter, geb. 1909, wurde von Berlin nach Riga deportiert und dort ermordet. Alice überlebte in Lüneburg (sie hatte einen Nichtjuden geheiratet), Erna und Luci überlebten in der Emigration. Über Helmut liegen keine Informationen vor.


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Große Bäckerstraße 23

Die jüdischen Eheleute Hulda Schickler, geb. Levie, geb. 1869, und Adolf Schickler, geb. 1867, führten ein Fachgeschäft für Schuhe, Knaben- und Herrenbekleidung in der Bardowicker Straße 4 und wohnten auch dort. Nach Geschäftsübergabe (1928) zogen sie in die Schillerstraße. 1935 Umzug in die Große Bäckerstraße. Die vier Kinder emigrierten nach Amerika, das Geschäft wurde „verkauft“. Am 5.5.1943 wurden die Eheleute über Hamburg nach Theresienstadt deportiert. Herr Schickler starb auf dem Transport, Frau Schickler überlebte dort nur ein Jahr.


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Am Ochsenmarkt 3

Dr. Hermann Reinmuth, geb. 1902, Sozialdemokrat und Jurist im Lüneburger “Regierungspräsidium“. Er organisierte mit politischen Freunden Unterstützung für verfolgte Familien und geriet so in Opposition zu den Nazis. Er verweigerte den Eid auf Hitler. Sein „Gestapo-Schicksal“ begann: Verhaftung 1934, Verurteilung zu 7 Jahren Zuchthaus, „Schutzhäftling“ im KZ Sachsenhausen ab Februar 1942 und dort am 26.4.1942 ermordet.


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Bardowicker Straße 12

Hier wohnten die jüdischen Eheleute Behr-Baden. Sie waren Inhaber des damals bekannten Salamander-Schuhfachgeschäfts Behr in der Bardowicker Straße. Sally Baden, geb. 1885, und Lucie Behr-Baden, geb. 1887, wurden am 4.12.1941 über Hamburg nach Riga deportiert und dort ermordet.


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Rotehahnstraße 20

Anna Friebe, geb. 1896 lebte hier, bis sie als Patientin der „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ als „unwertes Leben“ zu einer der sechs „T4-Anstalten“ deportiert und dort umgebracht wurde. Über 480 weitere Patienten der NS-Psychiatrie wurden über die „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ zu einer der sechs „T4-Anstalten“ überführt. Patienten aus Niedersachsen kamen überwiegend in die Tötungsstätte Hadamar.


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Schießgrabenstraße 3

Drei Gedenksteine erinnern an die jüdische Familie Wolfsberg. Der Tierarzt Dr. Willy Wolfsberg starb 1936, seine Frau Grethe, geb. 1877 floh mit den Söhnen Günther, geb. 1906, und Erich, geb. 1911, nach Holland. Sie wurden dort nach Auschwitz deportiert und ermordet. Die Töchter Elfriede und Henriette konnten nach Argentinien emigrieren.


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Haagestraße 2

Hier wohnte die Jüdin Ruth Jacobsohn, geb. 1900, verheiratete Weinberger. Sie wurde 1943 mit ihren Kindern Michael Weinberger, geb. 1931, und Maria Weinberger, geb. 1936, von Würzburg nach Auschwitz deportiert und dort am selben Tag ermordet. Die älteste Tochter Hannah wurde 1938 oder 39 als 11-Jährige mit einem „Kindertransport" nach England geschickt und überlebte dadurch den Holocaust wie 10 000 andere jüdische Kinder.


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Am Sande 15

Dies ist die letzte private Adresse von Theodor Jenckel, geb. 1873. Er wurde wie über 480 andere Patienten, über die „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“ zu einer der sechs „T4-Anstalten“ deportiert und dort umgebracht. Viele Patienten aus Niedersachsen kamen in die Tötungsstätte Hadamar.


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Bei der St. Johanniskirche 21

(vor dem Schulhof der Johannes-Rabeler-Schule, neben der St. Johanniskirche)
Der Sinto Alois Reiminius, geb. 1930 in Lichtenau, wohnte mit seiner Familie ab Januar 1938 in Lüneburg. Von 1940 bis 1942 besuchte er die damalige „Hilfsschule“, die jetzige Johannes-Rabeler-Schule. 1943 wurde er mit seiner Familie von Lüneburg über Hamburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Todesdatum: 27.8.1943.

Die Sintiza Franziska Reiminius, geb. 1931 in Oschershausen. Sie besuchte die Katholische Volksschule Wallstraße 1 und von 1939 bis März 1943 die „Hilfsschule“. 1943 wurde sie mit Ihrem Bruder Alois und der Familie nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, Todesdatum: 3.1.1944.

Der Sinto Reinhold Rose, geb. 1929 in Blickstadt, wohnte ab 1934 in Lüneburg. 1938/39 besuchte er die Heiligengeistschule (Volksschule I) und von 1940/41 bis März 1943 die „Hilfsschule“. 1943 wurde er mit seiner Familie von Lüneburg über Hamburg nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Kinder wohnten mit ihren Familien auf dem „Wagen­halteplatz Mehrbachstrift“, später in der Baracken­siedlung Bardowicker Wasserweg 4.


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Am Wienebütteler Weg 1

Vor dem ehemaligen Wasserturm der damaligen „Landes- Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg“, der jetzigen Bildungs- und Gedenkstätte „Opfer der NS-Psychiatrie“ in der Psychiatrischen Klinik Lüneburg, erinnern drei Stolpersteine an die Kinder Bernhard Filusch, geb. 1941, Edeltraud Wölki, geb. 1937, und Charlotte Regenthal, geb. 1939. Es sind drei Namen von den über 300 Kindern, die während der Nazizeit in Lüneburg der Euthanasie zum Opfer fielen.


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Marcus-Heinemann-Straße 26

Hier arbeitete und wohnte der Schuster Hermann Niemann, geb. 1882, Sozialdemokrat. 1935 wurde er beim Verteilen illegaler Flugblätter verhaftet und ins Gerichtsgefängnis Lüneburg gebracht. Verlegung 1935 nach Berlin, Verurteilung zu zwei Jahren Zuchthaus in Celle. Nach seiner Entlassung Verhaftung auf dem Lüneburger Bahnhof. Am 7.9.1939 als „Schutzhäftling“ ins KZ Sachsenhausen gebracht und dort ermordet, Todesdatum: 3.3.1940.





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